Agilität ist durch? Okay, aber wie wollen wir anders mit Komplexität umgehen?
„Agile is dead!“ – so titelte Forbes bereits 2019 und erklärte, dass Agile immer weniger relevant werde. Seitdem taucht diese These regelmäßig auf. Davon wird sie jedoch nicht wahrer, denn agiles Arbeiten ist erfolgreicher denn je.
Immer wieder wird das Ende von Agilität heraufbeschworen, als wäre es ein Hype, dessen Zeit abgelaufen ist. Medien füllen damit ihre Schlagzeilen, Führungskräfte haken es als Trend von gestern ab. Und ja, es stimmt: Manche Unternehmen haben sich an agilen Methoden versucht und sind gescheitert. Doch das lag selten an der Agilität, sondern an Missverständnissen, halben Transformationen oder fehlender Führung.
Was sagen die Zahlen?
- Laut einer McKinsey-Studie (2021) steigerten Unternehmen, die es geschafft haben, agil zu werden, ihre Effizienz, Kundenzufriedenheit und Mitarbeiterbindung um durchschnittlich 30 %. Sie waren zudem 3× häufiger Branchenführer.
- 60 % dieser Firmen konnten sogar ihren Profit steigern. Agile ist also nicht nur ein Nice-to-have – es rechnet sich.
- Agilität verhilft Unternehmen in aller Welt zu Erfolg – doch in Deutschland ist sie noch nicht einmal richtig angekommen: Laut einer Erhebung der Hochschule Karlsruhe gaben nur 45 Prozent der befragten deutschen Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe an, agile Entwicklungsmethoden einzusetzen. In China nutzen 88 Prozent der befragten Unternehmen agile Methoden, in Indien sind es 82 Prozent und in den USA 63 Prozent.
Warum wir auch in Deutschland Agilität brauchen – jetzt mehr denn je
Wir leben in einer Welt, die von Komplexität überrollt wird: Gesetzgebungen, globale Märkte, Technologie, Kundenverhalten – alles verändert sich rasant. Unternehmen ersticken an der Kompliziertheit ihrer eigenen Prozesse und der Bürokratie in Deutschland und Europa.
Hinzu kommen die Silos:
- Eine Abteilung hat tolle Ideen und braucht dazu die Unterstützung einer anderen Abteilung, doch diese blockiert.
- Produktentwicklung hat keine Zeit für die wirklichen Kundenprobleme, da sie schon jetzt überlastet ist.
- Im Team denkt jede:r nur die eigenen To-Dos. Das große Ganze hat keine:r im Blick.
- Wer an Schnittstellen arbeitet, verbringt einen Großteil seiner Zeit damit, Informationen hinterherzulaufen.
- Führungskräfte haben großartige Visionen, aber sind nicht in der Lage, ihre Teams dafür zu motivieren.
- Kolleg:innen im Homeoffice fühlen sich im Vakuum, weil sie nichts mitbekommen von dem, was die anderen Teammitglieder tun.
- Unternehmen beordern ihre Teams zurück ins Büro, damit wieder besser zusammengearbeitet wird. Doch wer virtuell keine Verbindung hatte, wird im Büro auch nur feststellen, dass die Kolleg:innen von der Arbeit ablenken.
Wie wollen wir das mit 2-Jahres-Plänen lösen, mit hierarchischer Führung oder Wasserfall-Prozessen?
Wie wollen wir das angehen – wenn nicht agil?
Agilität hat Antworten:
- Daily Stand-ups: Kurze, regelmäßige Abstimmungen, bei denen sich das Team über Herausforderungen austauscht und wichtige Infos teilt. Auch wenn es heute leider weit verbreitet ist: Beim Daily geht es nicht darum, herunterzubeten, woran ich heute arbeite, damit meine Chefin beruhigt ist. Beim Daily geht es darum, sich als Team über die gemeinsame Sache zu verständigen, Prioritäten zu setzen und einander zu helfen, wenn Probleme auftauchen.
- Cross-funktionale Teams: Kein „Dafür bin ich nicht zuständig“, sondern alle Kompetenzen an einem Tisch – von der Produktentwicklung, über IT und Marketing bis hin zum Kundenfeedback.
- Aus Erfahrungen lernen anstatt immer wieder dieselben Fehler zu machen. Retrospektiven schaffen Raum, um über Zusammenarbeit zu sprechen – was lief gut, was hat nicht gut funktioniert, was brauchen wir?
- Kanban-Boards sorgen für Transparenz: Jede:r sieht auf einen Blick, was ansteht, was blockiert ist, wo Hilfe gebraucht wird.
- Working Agreements: Teams regeln gemeinsam, wie sie miteinander arbeiten wollen – auch remote.
- Pairing oder Mobbing: Gemeinsames Arbeiten am selben Thema – so lernen wir voneinander und bauen Brücken.
Im Wasserfall bist du allein auf dem Floß.
Agil heißt: gemeinsam paddeln.
Welche Erfahrungen hast du mit agilem Arbeiten gemacht?

Juli 2025
MÄRZ
2025
Warum Führung neu
gedacht werden muss
"Wir arbeiten jetzt agil."
Das höre ich oft. Gemeint ist: Es gibt jetzt Daily Stand-ups, ein digitales Taskboard – und vielleicht sogar einen Scrum Master.
Aber: Wirklich agil wird es erst, wenn sich auch das Führungsverständnis ändert.
Denn agile Arbeiten ohne agile Führung? Das ist wie Stop and Go auf der Autobahn und im schlimmsten Fall endet es sogar im Stau.
Was ist Agile Leadership eigentlich?
Agiles Führen bedeutet nicht, einfach alles laufen zu lassen.
Es heißt auch nicht: „Ich halte mich da raus, das Team ist ja selbstorganisiert.“
👉 Agile Führung bedeutet:
Verantwortung abgeben UND Orientierung geben.
Loslassen UND Rahmen setzen.
Vertrauen schenken UND präsent sein.
Warum das gar nicht so einfach ist
Viele Führungskräfte haben über Jahre gelernt, dass sie alles wissen, alles entscheiden und alles kontrollieren müssen.
Heute funktioniert das nicht mehr
- Es ist gar nicht mehr möglich, alles im Griff zu haben (falls es das ja war) und der Versuch landet nicht selten im Burnout.
- Teams brauchen Raum, um selbst zu denken, Verantwortung zu übernehmen und Lösungen zu entwickeln – und keine „Chefs“, die alles besser wissen.
💥 Die Herausforderung:
Viele Führungskräfte wollen moderne Zusammenarbeit – und gleichzeitig die volle Kontrolle behalten. Das geht nicht. Agiles Führen ist ein echter Mindset-Shift.
Agile Führung braucht Mut
Mut, sich selbst zu hinterfragen.
Mut, Kontrolle loszulassen.
Mut, Raum zu geben – und gleichzeitig Orientierung.
🔑 Gute agile Führung bedeutet:
- Eine klare Vision kommunizieren – und andere dafür begeistern.
- Psychologische Sicherheit schaffen – damit Teams wachsen können.
- Feedback geben, das stärkt – nicht kleinhält.
- Da sein, wenn man gebraucht wird – und sich raushalten, wenn man es nicht wird.
- Potenziale in Menschen sehen und sie fördern. Nichts motiviert mehr als eine Führungskraft, die an einen glaubt!
Und was bringt das?
🚀 Schnellere Entscheidungen.
🚀 Mehr Eigenverantwortung.
🚀 Motivierte Teams, die mitdenken statt nur ausführen.
🚀 Führungskräfte, die Menschen entwickeln statt Prozesse verwalten.
Mein Fazit
Agilität ist kein Selbstläufer. Aber wenn Führung sich mitentwickelt, können Teams ihr volles Potenzial entfalten. Und genau das entscheidet heute über den Erfolg von Unternehmen.
Am 3. September 2025 halte ich bei theknaps ein kostenloses Webinar über Agiles Führen. Hier kannst du dich anmelden: Warum Führungskräfte scheitern - und wie Sie es besser machen


